Die App Flora Incognita, eine Zusammenarbeit der Technischen Universität Ilmenau und des MPI für Bio-Geochemie, wurde an dieser Stelle bereits lobend erwähnt: Ich als Anwender habe den Vorteil, mir unbekannte Pflanzen und Bäume schnell, zuverlässig und einfach bestimmen zu lassen; die Dienst-Bereitsteller erhalten wiederum für sie kostenlos eine Kartierung der entsprechenden Pflanzen.
Gestern nun habe ich aus purer Neugier die folgende Blume bestimmt:
Und siehe da: Es handelt sich um die vom Aussterben bedrohte Kornrade! Dahinter drapiert sind diverse Kleesorten, die aus der Veitshöchheimer Blühmischung stammen, die ich letztes Jahr dort aussäte.
Heute hast du wieder deine Wiese gemäht, aber dabei eine Wiese gar nicht gemäht, die andere nur teilweise. Warum machst du das? War dein Mäher kaputt oder bist du etwa faul?
Hier wurde nicht alles gemäht…
…hier auch nicht…
…hier wiederum ist alles weg.
Auf dieser Wiese steht aber noch alles!
Wer jemals in den wärmeren Monaten über eine naturbelassene Wiese schritt, wird eines sofort bemerken: Insekten. Insekten in Hülle und Fülle. Man hört sie, man sieht sie, sie umschwirren einen oder (aktuell gut zu sehen) „stehen“ in Schwärmen über dem Kopf. Wer hingegen über eine stets kurz gestutzte Wiese läuft, sieht: nichts.
Regelmäßig kurzgeschnittener Rasen ist biologisch tot.
Aus diesem Grund hat sich mehr und mehr die Erkenntnis durchgesetzt, dass man Rasen spät mäht, abwechselnd mäht, in Etappen mäht. Insekten finden in hohem Gras alles was sie brauchen: Schutz, Wärme, Nahrung.
Wenn ich also alle Wiesen gleichzeitig mähe, werden die Insekten komplett vertrieben. Durch das etappenweise Mähen finden die Insekten hingegen immer wieder eine Nische, in der sie sich niederlassen können – die ungemähten Flecken nebenan.
Einen weiteren Grund hatte ich bereits an anderer Stelle beschrieben: Klee.
Der letzte, eher praktische Grund: Mähe ich alles gleichzeitig, müssen meine Komposthaufen große Mengen an Gras verdauen, welches dann je nach Wetterlage schnell schimmelt oder fault. Auch hier gilt: Besser nach und nach.
Wenn im Herbst die Sonnenblumen verblüht sind, werden sie oft aus den Gärten entfernt. Da sie oft sehr hoch werden, steigt die Gefahr des Umknickens; auch sind sie – grau und verharmt, mit hängenden Köpfen – wahrlich keine Zierde. Ich mache es bekannterweise anders und lasse sie (wie auch die Königskerze und andere samentragende Blumen) stehen, um den Vögeln in Schnee und Kälte Futterplätze zu bieten.
Inzwischen jedoch – heute war es fast 20 Grad warm – sind die Kraniche zurück und die Sonnenblumen leergefuttert, trotzdem sind sie weiter nützlich: Als Nisthilfe für Wildbienen! Sonnenblumen sind dafür sogar vorzüglich geeignet, da ihre Stängel (Stengel) markgefüllt sind, was für die wilden Bienen von großem Vorteil ist. Aus diesem Grund habe ich heute die dickeren Sonnenblumen gefällt (tatsächlich mit einer Säge) und senkrecht sowie einzeln – das ist beides wichtig! – an einen Zaun geknotet. Dort bleiben sie nun mindestens ein Jahr stehen, und dienen hoffentlich dem einen oder anderen Getier als Nistplatz. Wer sich näher damit befassen möchte: Dr. Westrich hilft weiter!
Kleine Schar festgeknoteter Sonnenblumen-Stengel aus dem letzten JahrWichtig: Sie sollten markgefüllt seinVermutlich verrottet das garn ähnlich schnell wie die Stengel…Holunder geht übrigens auch!
wie man (nicht nur) an meiner nachlassenden Beitragsfrequenz erkennen kann, wird es langsam Herbst: früher dunkel, mehr Regen, abgeerntete Felder. Dementsprechend gibt es auch weniger zu berichten. Allerdings sind die Insekten immer noch aktiv, dazu ein kleiner Fotobericht:
Die Sonnenblumen sind zur Zeit das bevorzugte Ziel von Hummeln
Der Borretsch – er säht sich immer wieder selber aus und verausgabt sich schier beim Blühen – ist auch im Oktober noch eine ganz hervorragende Bienenweide!
Zudem hat sich der griechische Flaschenkürbis in Zusammenarbeit mit den Sonnenblumen nun völlig meines Gewächshauses bemächtigt:
Völlig zugewuchert, fast schon verwunschen!
Einziges Problem: Die Kürbisse bringen gut 6 kg auf die Waage – regelmäßiges Kontrollieren und Ernten schützt vor Glasbruch.
Wenn Pflanzen verblühen, bilden sich danach üblicherweise die Samen. Viele dieser „Samen“ kann man essen, z.B. Äpfel, Himbeeren oder Erdbeeren. Bei Blumen sieht man diese Samen oft nicht, da sie sehr klein sind. Trotzdem stellen sie wertvolles Futter für Vögel dar, vor allem im Winter. Lasse ich die Samenstände stehen, tue ich also etwas gutes für unsere gefiederten Freunde. Zudem fallen die meisten auf den Boden, keimen und dadurch erhalte ich in der Umgebung im folgenden Jahr wieder schöne Blumen. Meine Nachtkerzen sind übrigens alle so entstanden.
Verblühter Fingerhut: Samen für Vögel und schöne Blumen im kommenden Jahr
Und so sieht es dann aus, wenn ein gefiederter Freund das kostenlose Büffet besucht, vermutlich eine Blaumeise:
„75% der Nahrungspflanzen, welche die von uns konsumierten Samen und Früchte produzieren, werden zumindest teilweise durch Bestäubung beeinflusst. 87 der weltweit wichtigsten Nahrungspflanzen werden ganz oder teilweise durch Bestäubung befruchtet.“
Heute, da der Sommer am ausklingen ist, vergleiche ich einmal die von mir gemessenen Regenmengen (Regenmesser nach Hellmann) in Hilden seit Beginn des Jahres mit dem vieljährigen Mittelwert des Deutschen Wetterdienstes. Dabei ist die erste Zahl die Regenmenge 2020 in Hilden, die zweite Zahl steht im direkten Vergleich für das 30-jährige Mittel 1980-2010 aus Daten des DWD, während die dritte für den Vergleichs-Mittelwert meiner Heimat (hier: Wetterstation Tholey) steht:
Januar – 52 l/m² – 78 l/m² – 101 l/m²
Februar 148 l/m² – 59 l/m² – 78 l/m²
März – 70 l/m² – 70 l/m² – 89 l/m²
April – 18 l/m² – 62 l/m² – 61 l/m²
Mai – 2 l/m² – 71 l/m² – 77 l/m²
Juni – 56 l/m² – 91 l/m² – 77 l/m²
Juli – 76 l/m² – 76 l/m² – 83 l/m²
August 41 l/m² – 74 l/m² – 64 l/m²
Summe 463 l/m² – 581 l/m² – 630 l/m²
Welche Erkenntnisse können wir daraus gewinnen? Einiges fällt mir direkt auf:
März und Juli liegen exakt auf dem langjährigen Schnitt
Mai bis August regnete es im Durchschnitt deutlich mehr als ich das so in Erinnerung hatte aus Kindertagen
Im Jahr 2020 regnete es rund 20% weniger als im Schnitt, was alleine durch die Monate April und Mai erklärt werden kann
Insgesamt regnete es im Schnitt (Spanne 58 – 91l/m² bzw. 61 – 101l/m² im Saarland) deutlich gleichmäßiger als dieses Jahr in Hilden (Spanne 2 – 148l/m²)
Was sagt uns das? Schon 20% weniger Regen mit gleichzeitig höheren Temperaturen setzen den Pflanzen in meinem Garten deutlich zu. Tomaten bekamen „Sonnenbrand“, Erdbeeren wurden von der Hitze matschig, wenn ich den ganzen Garten gieße, fließen rund 1000l durch Brause und Beregner, womit sich meine immerhin 4.000l Regenwasservorrat als eher unterdimensioniert erwiesen haben. Viel weniger darf es nicht werden.
Ganz einfach: Weil es mir gefällt! Das sind griechische Flaschenkürbisse, die dort (Griechenland…) üblicherweise um Bäume herum gepflanzt werden und sich dann daran hochhangeln. Im Sommer und Herbst hängen dann die großen (bis zu 60cm lang) Kürbisse in den Zweigen.
Für mich hat es daneben einen weiteren Vorteil: Die Blätter dämpfen die Sonnenstrahlen, dadurch wird es im Gewächshaus bei den eh‘ schon hohen Temperaturen diesen Sommer nicht ganz so heiß.
Zugewachsenes Gewächshaus, zur Zeit tragen die Pflanzen fünf große Kürbisse