Wenn du rationalisieren willst, musst du Faulenzer einstellen – sagt man. Bei der Schädlingsbekämpfung in Obstbäumen – es handelt sich meist um Blattläuse – geht es andersherum besser: Man sorgt dafür, dass viele fleißige Mitarbeiter mitmachen, in unserem Falle Ohrenkneifer.
Diese Tierchen mögen gerne einen geschützten Platz direkt bei den Blattläusen am Baum, weshalb man ihnen eine Heimstatt baut. Hierfür gibt es im Netz diverse Bauanleitungen, die recht einfachen Schritte sieht man im folgenden:
Tontöpfe, bereits mit Holzwolle gefüllt. Darunter ein Stöckchen, um das Aufhängeseil zu fixierenHier sieht man das bereits gefüllte Innere: Darin fühlen sich Ohrwürmer sehr wohl
Heute war ich wieder im Garten und hab‘ die Töpfe erst mit Hasendraht umwickelt:
Das Drahtgitter verhindert zum einen das Herausfallen der Holzfasern, zum anderen hindert es Vögel daran, sich an meinen Nützlingen gütlich zu tun.
Die ganze Konstruktion wird nun dergestalt aufgehängt, dass das offene Ende der Nester an einen Ast anlehnt, um den Nützlingen den Einstieg zu vereinfachen:
Der Nützling-Hort an Ort und Stelle (Apfelbaum)
Da ich darüber schon oft berichtet habe und keinen eigenen Beitrag hierzu schreiben möchte: Das sind die Ausscheidungen von Regenwürmern, dem wohl wichtigsten Lebewesen im Boden
Regenwurmkot = fruchtbare Erde, handflächengroß, ca. 100 Gramm
Solche Haufen zeigen den sehr guten Zustand meiner Wiese.
Wer dieser Seite schon länger folgt, wird mein Faible für den Boden und seine Bewohner sicherlich bereits bemerkt haben. Im letzten Herbst nun habe ich auf einer Fläche Wintergrün angesät, um den Boden zu schützen und Auswaschungen zu verhindern. (Vor kurzem konnte man einer Pressemitteilung des Deutschen Wetterdienstes entnehmen, dass die vergangenen 12 Monate jene mit der höchsten Niederschlagsmenge seit Beginn der Aufzeichnungen war – Glück gehabt!). Das ganze sah dann so aus:
Nicht schön, aber zweckmäßig: Wintergrün-Mischung
Dies mache ich immer dann,wenn gerade nichts passendes anzubauen ist, es schon zu spät im Jahr ist oder ich schlicht keine Lust habe. Die verwendete Wintergrün-Mischung bestand in meinem Falle aus den 3 Komponenten Weidelgras, Inkarnatklee und Winterwicken. Während das Welsche Weidelgras stark zur Durchwurzelung beiträgt, liefern Klee und Wicken Stickstoff durch die Knöllchenbakterien an denWurzeln.
Heute nun habe ich Teile davon umgebrochen um eine Bienenweide anzusäen und beim ausmachen wurden die hervorragenden Auswirkungen der Wintergrün-Mischung deutlich:
Wurzelballen des Welschen WeidelgrasesAus der Nähe besser sichtbar, das alles durchdringende WurzelgeflechtUnd nochmal ganz aus der Nähe
Genau diese hohe Wurzeldichte ist es, die den Boden schützt und zur Haltbarkeit beiträgt – auch bei den massiven Regenfällen noch letzten Freitag (60l Regen!).
Wurzelgeflecht, nach dem Ausklopfen der ErdeHier mit der dazugehörigen Pflanze
Ihr seht: Die Wirkung von dauerhafter Bepflanzung, Bodendeckung, ist immens wichtig für die Erhaltung des Bodens und seiner Eigenschaften. Spätestens im frühen Herbst sollten alle nackten Böden mit entsprechenden Pflanzen angesät sein, um Zeit für den Aufwuchs und die daraus resultierende Bedeckung zu gewährleisten. Mit Klee sorgt man zusätzlich für die Stickstoffbindung im Boden, die Düngergaben ersetzen kann.
In den letzten 10 Tagen hatte ich gleich zweimal die Gelegenheit, meinen Garten und dessen Grundidee vorzutragen, einmal beim Stadtverband (das ist der Zusammenschluss aller Hildener Kleingärten) und einmal bei unserem Verein – hierfür an beide nochmal meinen herzlichsten Dank!
Ein Hauptkritikpunkt, jedoch vornehmlich von außerhalb der Schrebergärten vorgetragen, ist, dass mein Garten irgendwie unordentlich, unaufgeräumt wäre. Bezug genommen wurde dabei vor allem darauf, dass die im Spätsommer/Herbst angesäte Zwischenfrucht im Winter abstirbt, umknickt und jetzt, im Frühling, immer noch auf dem Feld ist: Das Beet wurde nicht geräumt.
Dafür jedoch gibt es gute Gründe, und einen davon kann ich Euch heute an ein paar Fotos demonstrieren. So sehen die meisten meiner Beete nach der Winterruhe aus:
Ein ungeräumtes Beet: Laub und vertrocknete Zwischenfrucht
Wenn ich jetzt aber mit einer herkömmlichen Handegge oder einem Rechen das Laub wegzieht, sieht das schon ganz anders aus:
Hier nun ohne die Bodendeckung, der Boden lugt hervor
Und siehe da: Unter der schützenden Schicht der abgestorbenen Zwischenfrucht kommt wunderbare Erde zum Vorschein, die derart fein ist, dass man nahezu ohne weitere Bearbeitung säen könnte. Warum? Zum einen haben die Wurzeln der Zwischenfrucht den Boden aufgelockert, zum anderen haben die abgestorbenen Pflanzen den Boden gegen den Angriff der Elemente Sonne, Wind und Regen geschützt.
Jedoch auch das längst abgestorbenen Material erfüllt noch weiter seinen Zweck.
Zusammengeschobene Pflanzenreste
Inwiefern? Richtig: Damit kann man mulchen. Da einer meiner Apfelbäume untenrum noch ein wenig nackt war, kam das ganze Material an den Apfelbaum.
Apfelbaum mit Mulch: Schützt und düngt gleichzeitig.
Wichtig bei größeren Mengen verrottenden Materials: Kalk. Bei solchen Zersetzungsvorgängen entstehen immer auch Säuren, bei den großen Mengen Eichen- und Walnusslaub zudem jede Menge Gerbsäuren. Um diese abzupuffern und damit die Wurzeln der Bäume zu schützen, dünge ich regelmäßig Kalk.
Mulch + Kalk, eine sinnvolle Kombination
Man sieht: Nicht alles was komisch daherkommt, ist undurchdacht oder durch Faulheit hervorgerufen.
Wenn der Garten so langsam abgeerntet ist, wird es Zeit zu düngen. Dies gilt natürlich auch (und speziell) für die Hochbeete, da diese im Laufe des Gartenjahres einsinken; aus diesem Grund war ich heute eine erste Fuhre Pferdemist zum nachbarlichen (50m Luftlinie) Pferdehof holen. Dieser Pferdehof hat übrigens einen weiteren Vorteil: Gehen wir morgens aus dem Haus und es riecht nach Pferd, bedeutet das mit Sicherheit Regen im Laufe des Tages.
Heute jedenfalls war ich 4 große Eimer mit Pferdeäpfeln holen:
Baueimer (die Großen) mit Pferdeäpfeln
Die Pferdeäpfel in den beiden rechten Eimern hatten vom ersten Regen abbekommen und fielen daher schon auseinander
Ich hatte Glück, es waren reine Pferdeäpfel mit sehr wenig Stroh; Stroh ist zwar für die Bodenstruktur extrem wichtig, im Garten aber schwer einzuarbeiten.
Das ganze dann ins Hochbeet gewuchtet und – ganz wichtig! – mit Erde bedeckt. Dies dient vor allem dazu, Nährstoff- (hier: Stickstoff-)Verluste zu verringern. Außerdem sieht es von Format, Konsistenz und Form aus wie ein Elefantenfladen 🙂
Hier haben Regenwürmer und Mikroorganismen nun 6 Monate Zeit, alles schön zu zersetzen
Warum aber (Pferde-) Mist?
Spätestens im Laufe der Ukrainekrise sollte jedem klar geworden sein, dass Kunstdünger aus Erdgas „besteht“ – dafür viel zu schade. Ich dünge lieber mit natürlichen Düngern (Kompost gehört auch dazu) und schone somit unsere fossilen Kohlenwasserstoffe. Selbstredend fahre ich noch ein paar Mal öfter zum Pferdehof – günstiger und schneller kommt man nicht an Regenwurm-Futter!
In der Land- und Gartenwirtschaft sieht man immer wieder Testfelder: Streifen, auf die verschiedene Pflanzen, zum Beispiel Getreide, gesät werden, um anhand der Ergebnisse die Eignung dieser verschiedenen Sorten für bestimmte Böden oder Klimazonen herauszufinden. Ähnlich bin ich auch vorgegangen:
Abstemmen der Soden, Befüllen mit Anzuchterde, Säen der zu beprobenden Samen
Erste Erfolge: Der Klee „läuft auf“ (Fachsprache für „geht an“)
Da ich das gewöhnliche Gras zunehmend durch andere Gräser ersetzen möchte, muss ich natürlich herausfinden, was sich dafür am besten eignet. Daher habe ich gleich vier (kleine) Probeflächen angelegt und darin Weißklee, Rotklee, Edelwicke und Buchweizen gesät. Hier nun das Ergebnis:
Der Buchweizen wächst zwar am höchsten, dafür sind nur sehr wenige Pflanzen angegangen. Da er zudem nur einjährig ist, war er disqualifiziert.
Die Wicke hingegen ist sehr gut angegangen und – wie der Buchweizen auch – eine hervorragende Bienenweide, ist jedoch ebenfalls nur einjährig.
Der Rotklee hat sich ebenfalls gut geschlagen: Dichter Wuchs, schnelle Blüte und die Verbesserung des Bodens stehen auf seiner Habenseite.
Am dichtesten steht der Weißklee, der auch die beste Frosthärte besitzt und zudem relativ trittfest ist. Ihn und den Rotklee werde ich jetzt im Rahmen weiterer Versuche ausweiten, um den doch eher geschundenen Rasen ein wenig zu pflegen – Kleesorten sind Stickstoffsammler und somit Gründünger.
Einen positiven Effekt konnte ich durch den hohen Wuchs des Klees und der Wiese bereits verzeichnen: Es haben sich einige Frösche und Kröten von klein bis überraschend groß in meiner Wiese versteckt! Wie für Insekten auch, sind kurzgeschorene Wiesen sehr gefährlich für Frösche, da es dort keinerlei (Sicht-)Schutz gibt. Im dichten Klee hingegen (und bei der aktuell doch sehr nassen Witterung) fühlen sie sich pudelwohl und die größte Gefahr stellt der Gartenbesitzer mit seinem Gewicht dar… 🙂
Heute, da der Sommer am ausklingen ist, vergleiche ich einmal die von mir gemessenen Regenmengen (Regenmesser nach Hellmann) in Hilden seit Beginn des Jahres mit dem vieljährigen Mittelwert des Deutschen Wetterdienstes. Dabei ist die erste Zahl die Regenmenge 2020 in Hilden, die zweite Zahl steht im direkten Vergleich für das 30-jährige Mittel 1980-2010 aus Daten des DWD, während die dritte für den Vergleichs-Mittelwert meiner Heimat (hier: Wetterstation Tholey) steht:
Januar – 52 l/m² – 78 l/m² – 101 l/m²
Februar 148 l/m² – 59 l/m² – 78 l/m²
März – 70 l/m² – 70 l/m² – 89 l/m²
April – 18 l/m² – 62 l/m² – 61 l/m²
Mai – 2 l/m² – 71 l/m² – 77 l/m²
Juni – 56 l/m² – 91 l/m² – 77 l/m²
Juli – 76 l/m² – 76 l/m² – 83 l/m²
August 41 l/m² – 74 l/m² – 64 l/m²
Summe 463 l/m² – 581 l/m² – 630 l/m²
Welche Erkenntnisse können wir daraus gewinnen? Einiges fällt mir direkt auf:
März und Juli liegen exakt auf dem langjährigen Schnitt
Mai bis August regnete es im Durchschnitt deutlich mehr als ich das so in Erinnerung hatte aus Kindertagen
Im Jahr 2020 regnete es rund 20% weniger als im Schnitt, was alleine durch die Monate April und Mai erklärt werden kann
Insgesamt regnete es im Schnitt (Spanne 58 – 91l/m² bzw. 61 – 101l/m² im Saarland) deutlich gleichmäßiger als dieses Jahr in Hilden (Spanne 2 – 148l/m²)
Was sagt uns das? Schon 20% weniger Regen mit gleichzeitig höheren Temperaturen setzen den Pflanzen in meinem Garten deutlich zu. Tomaten bekamen „Sonnenbrand“, Erdbeeren wurden von der Hitze matschig, wenn ich den ganzen Garten gieße, fließen rund 1000l durch Brause und Beregner, womit sich meine immerhin 4.000l Regenwasservorrat als eher unterdimensioniert erwiesen haben. Viel weniger darf es nicht werden.
Richtig: Heute geht es um unseren Freund, den Maulwurf, das „Tier des Jahres 2020“!
Schauen wir uns doch mal vorab ein paar Fakten an:
Der Europäische Maulwurf kommt in fast allen Ländern vor, außer in Irland (ulkig, oder?). In südlichen Breiten ist er allerdings auch nicht überall zu finden (Portugal).
Das Höhlensystem eines einzigen Tieres kann bis zu 6000 Quadratmeter umspannen, die einzelnen Gänge sind bis zu 100m lang. Alle paar Stunden geht er auf Patrouille durch die Gänge.
Maulwürfe leben stets alleine, essen nahezu ununterbrochen (nach 10 Stunden ohne Nahrung sterben sie!) und können bis zu 20 Maulwurfshügel in der Stunde aufschütten. Dabei hat jeder Hügel eine Funktion: Schlafkammer, Vorratskammer oder Nestkammer. Manchmal ist es auch nur eine reine Belüftung von langen Gängen oder Notausgang.
Sie fressen nicht nur dauernd, sondern auch viel – die Hälfte des eigenen Gewichts pro Tag sollte es schon sein. Das kann ja jeder mal auf sich selbst übertragen…
Sein Name kommt nicht von „Maul“ sondern vom alten Wort „Molte“ für „Erde“ – er ist also ein „Erdwerfer“.
In seinen Gängen läuft er bis zu 70m in der Minute (wenn er Hunger hat und Beute spürt – das kann ich gut verstehen 🙂 ), das ist mehr als 1 Meter in der Sekunde, auch das: enorm!
Weitere Informationen dazu gibt es z.B. beim NABU.
Aber warum dulde ich diesen Frechdachs überhaupt bei mir im Garten? Er durchwühlt alles, die Haufen stören beim Mähen und dann frisst er auch noch meine schönen Regenwürmer auf (bzw. legt sie sich sogar auf Lager!). Das hat viele Gründe:
Maulwürfe sind reine Fleischfresser, an Pflanzen finden sie keinen Gefallen. Im Gegensatz zu Wühlmäusen frisst ein Maulwurf also kein Blumenzwiebeln oder ähnliches.
Das bedeutet für mich: Er frisst die Raupen und Engerlinge von Schädlingen (Garten-, Japan-, Laubkäfer), Schnakenlarven, sogar die Gelege der Wühlmäuse. Pro Jahr frisst ein Maulwurf bis zu 40 kg dieser Schädlinge!
Der Maulwurf ist ein sogenanntes Zeigertier für einen gesunden Boden.
Er durchlüftet mit seiner Graberei den Boden, sorgt für Bodenaustausch, siebt den Boden permanent mit seinen Klauen und lockert ihn auf. Speziell in verdichteten oder schweren Böden (hoher Lehmgehalt) ist das ein unschätzbarer Vorteil!
Wie zuvor beschrieben, ist er der Gegenpart der Wühlmaus und bekämpft diese
Ihre Hügel bestehen aus feinster, gut durchmischter Erde, die ich z.B. für die Anzucht der Erdbeer-Ableger verwende.
Alles in allem also: Danke dafür, Maulwurf!
Nachtrag 29.08.2020: Dieser kleine Strolch ist weiter fleißig!
Gras oder Laub als Deckschicht z.B. unter Bäume zu streuen, nennt man Mulchen. Dabei verrottet das organische Material langsam und setzt Nährstoffe für die Pflanzen frei. Bei Gras hat das ganze einen weiteren Vorteil: Beim Mähen fallen stets große Mengen davon gleichzeitig an, das könnte den Komposthaufen überlasten, er würde – je nach Wetterlage – entweder faulen oder schimmeln. Daher hat man das Gras schon immer unter Bäume gehäufelt. Bei der aktuellen Temperatur hat das Gras auch im Hochbeet eine weitere wichtige Funktion: Es schützt den Boden vor Wind und Sonne, Wasser verdunstet langsamer und es wird kein Boden fortgetragen. Auch hier zersetzt es sich langsam, die Regenwürmer machen den Rest. Einen Nachteil des Mulchen muss man allerdings auch erwähnen: Wühlmäuse schätzen diese großen und im Winter wärmenden Haufen sehr…:)
Aktuell wachsen in einer kleinen, aber feinen Ecke meines Gartens Blumen mit kleinen, feinen Blüten. Dabei handelt es sich um Echten Buchweizen als Teil einer Zwischenfruchtsaat, der jedoch kein Getreide, sondern ein sogenanntes Knöterich-Gewächs ist. Im Garten erfüllt er gleich mehrere nützliche Funktionen: Er ist Bodendecker, verhindert also den Abtrag von Boden durch Wind und Wasser; er unterdrückt andere Pflanzen (Unkräuter); vor allem aber ist er eine ganze hervorragende Bienenweide, deren Ertrag dem von Raps und Phacelia in nichts nachsteht. Da er jedoch auch sehr spät im Sommer noch stark blüht, ist er zu dieser Jahreszeit die Pflanze der Wahl.
Eine kleine Zwischenfrucht- oder auch Bienenweide
Detail der kleinen weißen Blüten. Jede kann am Tag 0,1 mg Zucker produzieren – das ist enorm!